Grüsse aus Shingu

Konnichiwa.

Seit dem 24. September 2026 bin ich nun in Japan, in meiner zweiten Heimat. Vorher war ich eine Woche in Kalifornien, und auch das war mein erstes Mal in den USA. Gemeinsam mit meinem Mann besuchte ich San Francisco, South Lake Tahoe und Fremont.

Indian Land

In San Francisco besichtigten wir die Insel Alcatraz. Noch bevor wir auf der Insel waren, las ich etwas über Indianer. Ich horchte auf und begann, mich mehr dafür zu interessieren. Als wir mit dem Schiff ankamen, merkten wir, dass Alcatraz für die Indianer der Region eine wichtige Insel war. Im Museum lasen wir, dass Hopi-Indianer gezwungen wurden, ihre Kinder in die Schulen der Weissen zu schicken. Wer sich weigerte, wurde ins Gefängnis von Alcatraz gesteckt.

Im Jahr 1969 besetzten rund 80 Menschen aus verschiedenen Indianer-Stämmen die Insel während 18 Monaten friedlich, um darauf aufmerksam zu machen, wer vor den weissen Menschen in Kalifornien gelebt hatte. In einem Gedenkraum schrieb ich die Worte «Liebe und Heilung für Alle» auf.

In South Lake Tahoe nahmen wir an einem Aikido-Seminar teil. Es ist eine sehr schöne Gegend auf knapp 2000 Metern über Meer. Als wir am ersten Abend zurück in unser Hotel kamen, sahen wir einen amerikanischen Waschbären (Raccoon). Tiere in freier Wildbahn zu beobachten, mag ich besonders. Ich lernte auch, dass in dieser Region vor den weissen Menschen die Washoe-Indianer lebten. Während des Winters zogen sie jeweils ins Tal. Als sie einmal wieder zurückkamen, waren ihre Häuser von den Weissen zerstört, und sie wurden vertrieben. Die Weissen rotteten auch den Grizzlybären aus.

Am Sonntagabend assen wir in einem Restaurant in der Nähe des Strandes zu Abend, und dort entdeckte ich einen Bären. Er marschierte gemütlich dem Strand entlang und beachtete uns nicht. Für mich ist diese Begegnung etwas ganz Besonderes. Einen Bären in freier Wildbahn zu sehen, ist einfach einmalig. Auf dem Rückweg ins Hotel sahen wir dann noch einen Kojoten über die Strasse rennen. Zuerst dachte ich, es sei ein Wolf, doch die sind im Rudel unterwegs.

Aikido South Lake Tahoe
Nach dem Abendessen

Auf der Rückreise nach Fremont besuchten wir eine Art Indianer-Freilichtmuseum der Chaw-sé/Miwok-Indianer. Sie zerkleinerten, wie auch die Washoe-Indianer, Kerne, Nüsse und Ähnliches auf Felsen, die heute Mulden von diesem Zerkleinern aufweisen. Das war sehr spannend zu beobachten. Die Indianer errichteten ihre Siedlungen dort, wo grosse Bäume standen, weil das ein Zeichen für einen Wasservorrat war.

Wir besuchten auch das Museum. Die Chaw-sé/Miwok-Indianer flochten Körbe, so wie sie früher auch in der Schweiz hergestellt wurden. Sie hatten eine Art Geld aus Muscheln und feierten zusammen mit anderen Stämmen Erntedankfeste. Sie lebten im Respekt vor der Natur und nahmen nur das, was sie wirklich brauchten.

Doch als die weissen Menschen kamen, wurden sie aus ihren Siedlungen vertrieben und hatten keinen Zugang mehr zum Wasser und somit auch nicht mehr zur Nahrung. Zudem verschmutzten die weissen Menschen durch das Goldfieber die Flüsse. Im Museum las ich auch, dass ein Schweizer in Sacramento die Indianer versklavte. Beim Lesen dieser Zeilen wurde ich nachdenklich und traurig. Im Museum stand ein Behälter, in den man Spenden geben konnte. Alle Dollarmünzen, die ich von zu Hause mitgenommen hatte, gab ich dort hinein.
Ich bin unendlich traurig, dass der Mensch in den vergangenen 200 Jahren den Respekt gegenüber sich selbst und der Natur noch immer nicht gefunden hat. Aus diesem Grund ist es mir wichtig, für meine Werte einzustehen und mit Respekt und Akzeptanz mir selbst, meinen Mitmenschen und der Natur gegenüber im Einklang zu sein.

 

Im Land der Fermentation

Heute ist die Fermentation von Gemüse und Früchten wieder auf dem Vormarsch, und viele Länder haben ihre eigenen Traditionen. Das Schweizer Ferment schlechthin ist das Sauerkraut, dazu kommen die weniger bekannten Sauerrüben. Auch wenn beides meistens gekocht gegessen wird, haben sie für unseren Körper noch immer viel Gesundes zu bieten.

Fermentierte Lebensmittel enthalten durch die Aufspaltung und Gärung mehr Vitamine und Mineralstoffe. Hinzu kommen gesunde Bakterien, die für den Darm wichtig sind. In Japan werden viele fermentierte Lebensmittel verwendet. Darüber schrieb ich im Newsletter vom Februar, der heute als Blogartikel hier zu lesen ist:

https://blog.bento-lieferservice.ch/2026/02/02/schoen-dass-du-wieder-kochst/

 

Damit ich die Fermentation besser verstehe und darin sicherer werde, habe ich Ende August eine Fermentationsausbildung bei Wild Pulse begonnen. Vor den Ferien in Japan habe ich zu Hause mehrere Fermente angesetzt, die jetzt im Kühlschrank oder im Keller auf mich warten. Hier in Japan gibt es die unterschiedlichsten Fermente. Miso, Sojasauce, Sake und Mirin sind in vielen verschiedenen Varianten erhältlich. Dazu kommen verschiedene Gemüsefermente, die in Japan sehr bekannten Umeboshi (Salzpflaumen bzw. -aprikosen) und Natto. Natto sind fermentierte Sojabohnen, die wie Käse Fäden ziehen. Der Geschmack ist nicht jedermanns Sache, denn auch viele Japaner mögen kein Natto. Mein Ziel ist es, Natto selbst herzustellen, doch bis dahin brauche ich ein Rezept und noch mehr Übung.

Fermentation

Bei unserer Ankunft erhielten wir vom Hausherrn eine Kiste Mikan, japanische Mandarinen.

Ein paar davon werde ich in einer Salzlake fermentieren, und aus der Schale stelle ich ebenfalls ein Ferment her. Vielleicht kann ich sie sogar mit nach Hause nehmen. Mal schauen, wie sie bei den feuchten und schwülen Temperaturen fermentieren.

Fermentation

Die nächsten köstlichen und ausgewogenen Bentos gibt es wieder ab dem 21. Oktober 2026. Ab November bereite ich die Bentos auch am Dienstag zu. Das bedeutet, dass ich dann jeweils dienstags, mittwochs und donnerstags Bentos zubereite und ausliefere. Ich freue mich schon jetzt darauf.

 

In meinen japanischen Kochkursen verwende ich ebenfalls fermentierte Produkte. In den Bento-Kochkursen bereiten wir auch ein Ferment zu, das du dann mit nach Hause nehmen kannst. Was wir am 31. Oktober als Ferment herstellen werden, weiss ich noch nicht. Für den Kochkurs kannst du dich bei mir anmelden. Er beginnt um 17 Uhr, dauert bis 21 Uhr und kostet 120 Franken.

Link Anmeldung

 

Ich sende dir herzliche Grüsse aus dem feucht-warmen Shingu, Japan.
Michèle